das HauskreisMagazin

Max Lucado über eine unfassbar bedingungslose Liebe

Gott, ich habe da eine Frage: Warum liebst du deine Kinder? Nur der Himmel weiß doch, wie viel Kummer wir dir bereitet haben. Warum erträgst du uns? du gibst jeden Atemzug, den wir atmen, aber danken wir dir dafür? du gibst uns einzigartige, unnachahmliche Körper, aber preisen wir dich dafür? Selten. Wir beschweren uns über das Wetter. Wir zanken uns um die Spielsachen. Wir streiten darüber, wer welchen Kontinetn bekommt und wer das bessere Geschlecht besitzt. Es vergeht keine Sekunde, in der nicht irgendeiner irgendwo deinen Namen missbraucht, um über einen au fen Daumen gehauenen Hammer oder eine schlechte Schiedsrichtereintscheidung zu fluchen (Als wärest du daran Schuld). Du füllst die Welt mit Nahrung, aber wir geben dir die Schuld für den Humger. Du hältst die Erde in ihrer Bahn und bewahrst die Arktis davor zu schmelzen aber wir werfen dir Teilnahmslosigkeit vor. Du gibst Regen, und wir fordern Sonne (Als ob wir wüssten, was am besten ist.)

Der Floh auf dem Schwanz des Elefanten

Wir zollen einem muskulösen Sportler mehr Beifall als dem Gott, der uns erschuf. Wir singen mehr Lieder auf den Mond als auf Christus, der uns erlöste. Wir sind der Floh auf dem Schwanz eines Elefanten in einer Galaxie Afrikas, und doch erwarten wir, dass du uns einen Parkplatz verschaffst, wenn wir dich darum bitten. Und wenn du uns nicht gibst, was wir wollen, erklären wir, dass du gar nicht existierst. (Als ob unsere Meinung entscheidend wäre.)

Wir verschmutzen die Umwelt, die du uns geliehen hast. Wir misshandeln die Körper, die du uns gabst. Wir ignorieren das Wort, das du uns sandtest. Wir sind verwöhnte Babys, die nehmen und strampeln, die schmollen und lästern.

Du hast allen Grund, uns aufzugeben. Ich würde das ganz sicher tun! Ich würde mir die Hände von all dem Unrat abwaschen und auf dem Mars von vorn beginnen. Aber machst du das?

Die Antwort lese ich in der aufgehenden Sonne. Die Antwort höre ich im Rauschen der brechenden Wellen. Die Antwort spüre ich in der Haut eines Kindes.

Vater, deine Liebe endet nie. Niemals. Obwohl wir dich verschmähen, dich ignorieren, dir ungehorsam sind, änderst du dich nicht. Unsere Bosheit kann deine Liebe nicht verringern, unsere Güte sie nicht vertiefen. Unser Glaube hat sie genauso wenig verdient, wie unsere Torheit sie verspielen könnte. Du liebst uns nicht weniger, wenn wir versagen. Du liebst uns nicht mehr, wenn es uns gelingt. Deine Liebe endet nie. Wie können wir das erklären?

Unerklärliches Mutterglück

Vielleicht steckt die Antwort in einer anderen Frage. MütteR: Warum liebt ihr euer Neugeborenes? Ich weiß, ich weiß: es ist eine dumme Frage. Doch seid so lieb und geht einmal drauf ein: Warum tut ihr das?

Monatelang hat dieses Baby euch geplagt. Es hat euch mit Pickeln übersät und wie eine Ente watscheln lassen. Seinetwegen hattet ihr Heißhunger auf Sardinen und Chips und habt euch morgens übergeben. Es hat euch in dne Bauch getreten. Es hat sich an Stellen ausgebreitet, wo es nicht hingehörte, und Essen verspeist, das es nicht zubereitete. Ihr ahbt es warm gehalten. Ihr habt es geschützt. Ihr habt es ernährt. Hat es euch dafür etwa gedankt? Macht ihr Witze? Kaum hat es den Mutterleib verlassen, fängst es an zu schreien! Der Raum ist zu kalt, die Decke zu rau, die Krankenschwester zu grob. Und nach wem verlangt es? Nach seiner Mutter. Gibt es nie eine Verschnaufpause? Ich meine, wer hat schließlich in den letzten neun Monaten die ganze Arbeit geleistet? Wieso kann Papa nicht mal übernehmen? Aber nein, Papa genügt nicht. Das Baby will seine Mutter.

Es hat sich nicht angekündigt. Es kam einfach. Und was für eine Ankunft! Es machte uech zum Barbaren. Ihr habt geschrien. Ihr habt geflucht. Ihr habt auf die Zähne gebissen und Betttücher zerrissen. Und jetzt schaut euch mal an. Euer Rücken schmerzt. Euer Kopf dröhnt. Euer Körper ist schweißgebadet. Jeder Muskel ist angespannt und verhärtet. Ihr solltet wütend sein, aber was macht ihr?

Weit gefehlt. Die Liebe auf eurem Gesicht sagt: für immer und ewig. Es hat nichts für euch getan; dennoch liebt ihr es. Es hat eurem Körper Schmerzen und euren Morgen Übelkeit eingehandelt, dennoch liebkost ihr es. Sein Gesicht ist schrumpelig und seine Augen matt, doch ihr redet nur davon, wie hübsch es ist und welch glänzende Zukunft vor ihm liegt. Es wird euch in den nächsten Monaten jede nach twekcen, aber das macht gar nichts. Ich kann es euch vom Gesicht ablesen. Ihr seid ganz verrückt auf das Kind.

Warum? Warum liebt eine Mutter ihr Neugeborenes? Weil es ihr Baby ist? Mehr noch. Weil das Baby sie ist. Ihr Blut. Ihr Fleisch. Ihr Mark und ihre Knochen. Ihre Hoffnung. Ihr Vermächtnis. Es kümmert sie gar nicht, dass das Baby ihr noch nichts zurückzahlen wird. Sie weiß, dass ein Neugeborenes hilflos ist, schwach. Sie weiß, dass Babys nicht danach gefragt haben, auf die Welt zu kommen. Und Gott weiß, dass es bei uns genauso ist.

Lauter Ebenbilder

Wir sind seine Idee. Wir sind sein. Sein Gesicht. Seine Augen. Seine Hände. Sein Federstrich. Wir sind er. Schauen Sie jedem Menschen ins Gesicht, und Sie werden sein Ebenbild erkennen. Obwohl einige nur entfernte Verwandet zu sein scheinen, sind sie es nicht. Gott hat keine Vettern, nur Kinder. Wir sind - unfassbar - der Leib Christi. Und obwohl wir nicht so handeln mögen wie unser Vater, gibt es keine größere Wahrheit als diese: Wir sind sein. Unabänderlich. Er liebt uns. Unsterblich. Nachts kann uns von der Liebe Christi trennen (siehe Röm 8,38-39).

Hätte Gott diese Worte nicht gesprochen, wäre ich töricht, sie zu schreiben. Da er sie jedoch gesprochen hat, wäre ich töricht, sie nicht zu glauben. Nicht kann uns von der Liebe Christi trennen... aber wie schwer es einigen von usn doch fällt, diese Wahrheit anzunehmen! Sie meinen, Sie hätten ein Unrecht begangen, das Sie aus seiner Liebe ausschließt. Einen Verrat. Einen Betrug. Ein gebrochenes Versprechen. Sie denken, er würde Sie mehr lieben, wenn Sie das nicht getan hätten, richtig? Sie denken, wenn Sie besser wären, würde seine Liebe tiefer sein, richtig? Falsch. Falsch. Falsch. Gottes Liebe ist nicht menschlich. Seine Liebe ist nicht normal. Seine Liebe sieht Ihre Sünde und liebt Sie immer noch. Billigt er Ihr Unrecht? Nein. Müssen Sie Buße tun? Ja. Aber tun Sie Buße um seinetwillen oder um Ihretwillen? Um Ihretwillen. Sein Ego bedarf keiner Entschuldigung. Seine Liebe braucht nicht verdient zu werden.

Und er könnte Sie nicht mehr lieben, als er es jetzt schon tut.

 

Max Lucado ist der Pastor der Oak Hills Church in San Antonia, Texas und Autor zahlreicher Bücher.