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Nehemia führte ein Leben, das für viele seiner Zeitgenossen wie ein Traum erschien. Dennoch gibt sich Nehemia nicht mit dem zufrieden, as er hat. Er lässt sich auf das Wagnis seines Lebens ein und kehrt in seine alte, zerstörte Heimat zurück. Nehemias Lebenstraum fängt dort an, wo die Träume manch anderer zu Ende gewesen wären
Lesen Sie Nehemia 1,1–11
Nehemia – Jahwe tröstet
Jüdische Eltern vergaben den Namen für ein Kind nicht nach Beliebtheitsgrad. Im Mittelpunkt der Namensgebung stand die Bedeutung. Im Namen drückte sich die Hoffnung aus, das Kind möge einem bestimmten Lebenskonzept folgen. Der Name „Nehemia“ bedeutet „Jahwe tröstet“. Jahwe tröstet – darin liegt zum einen eine Ermutigung für den Lebensweg des Kindes, zum anderen aber auch ein Auftrag, selber zum Tröster zu werden.
Wo die Lebensträume anderer enden …
Andere zu trösten, war für Nehemia bis zum Beginn seiner Geschichte vermutlich eher eine private Angelegenheit. Zum Trost seines Volkes und seiner zerstörten Heimat hatte er bisher wenig beitragen können. Israel war besetzt. Das Volk war seit mehr als hundert Jahren führungslos, verstreut, deportiert. Jerusalem, die Hauptstadt des alten Reiches, versank in der Bedeutungslosigkeit. Der Aufschwung, den man sich mit dem Start der Bauarbeiten am Tempel erhofft hatte, blieb aus. Nehemia diente währenddessen als Beamter fernab der Heimat. Er hatte eine eigene Familie. Er hatte eine angesehene und gut bezahlte Stelle als königlicher Beamter. Er lebte unter dem persönlichen Schutz des Königs. Er genoss Privilegien, die nur wenigen Landsleuten zuteil wurden. Doch auch wenn er privat viel erreicht hatte, wusste er, dass er noch nicht am Ziel war. Wo die Lebensträume anderer endeten …
… begegnet Nehemia seinem Schicksal
Nach Prüfung der Fakten hätte für Nehemia alles so bleiben müssen, wie es war. Er war gut situiert, abgesichert, ausgelastet. Doch Nehemiawar keinMensch, dessen Lebenstraum darin bestand, gewisse Privilegien zu sammeln. „Jahwe tröstet“ lautete das Motto seines Lebens. Das wollte er erfahren. Das wollte er für andere erfahrbar werden lassen. Trost bedeutete für ihn nicht, selber sorglos leben zu dürfen. „Jahwe tröstet“ bedeutete für ihn, bereit zu sein, wenn es darumging, anderen Menschen Hoffung zu geben. Mancher verwechselt einen Lebenstraum mit allzu konkreten Zielen und Zahlen. Menschen träumen von einer bestimmten Position, von dem Eigenheim oder dem Hubraum eines neuen Autos. Nehemias Lebenstraum bestand nicht aus Zahlen, sondern aus Werten.
Ein wert-voller Lebenstraum
Nehemia wollte einMensch sein, der am Herzen Gottes lebte. Er versuchte zu buchstabieren,was das für seinen Alltag heißen könnte. In seinen Aufzeichnungen wird deutlich, dass er ein frommer, fragender und ehrlich suchender Mensch war. Der konkrete Auftrag, Jerusalem wieder aufzubauen, erreichte ihn, als sein Herz soweit war, sich seinem Lebensmotto „Jahwe lässt uns nicht im Stich!“ auf einer weiteren und höheren Ebene zu stellen. Er hatte an seinem Charakter gearbeitet, sich selber und andere führen gelernt und Organisation, Treue sowie Mut eingeübt. Situationen, in denen er diese Dinge anwenden konnte,machten ihn lebendig. Nun war er bereit, eine Rolle zu übernehmen, bei der es genau dieser Charaktereigenschaften bedurfte. Nehemia suchte nicht nach einem neuen Auftrag. Er war nicht satt und in der Midlifecrises. Er brauchte keine neue Herausforderung. Der Auftrag suchte vielmehr ihn. Er nahm ihn an, weil das die logische Konsequenz aus seinem bisherigen Leben war.
Wie erkenne ich meinen Lebenstraum?
Es sind die Geschichten, die unser Herz schon als Kind schneller schlagen ließen, die uns näher an unseren Lebenstraum führen können. Es sind die Helden der Jugend, dieMomente, in denen wir lebendig waren. Sie alle werden uns voranbringen auf der Suche nach dem Lebenstraum.Was uns berührt, uns das Gefühl gibt, lebendig zu sein,was uns bewegt und uns zum Weinen, Beten, Fasten bringt (V 4), das ist die Spur, der wir folgen müssen, um unseremLebenstraumzu begegnen. Welche Dinge lieben wir? In welchen Augenblicken vergessen wir die Zeit? Investieren wir in die Dinge, die uns lebendigmachen, dann werden wir nicht länger nach einem Traum suchen müssen, sondern der Traum wird uns finden. Es fällt auf, dass im ganzen Buch Nehemia nicht einmal von einem direkten, wundersamen
göttlichen Eingreifen berichtet wird. Der Lebenstraum offenbarte sich nicht in einem Blitz vom Himmel. Und doch ist Gott in der Geschichte stets gegenwärtig. Aber er wirkt in diesem einzelnen lebendigen Menschen. Und das ist es, was andere ansteckt. Als der persische König sieht, wie Nehemia berührt ist, ebnet er Nehemia den Weg. Nehemias Lebendigkeit inspiriert die Arbeiter, Priester und die alten Familien im Land. Menschen, die einer Bestimmung und einer Sehnsucht folgen, sind ansteckend.
Fragen & Gesprächsideen
a) Welche Rolle spielt das Gebet für Nehemia und was sind die entscheidenden Inhalte seines Gebetes?
b) Was bewegt Nehemia, seine etablierte Stellung aufzugeben?
c) Kennen Sie ähnliche Beispiele, in denen Menschen Sicherheiten verlassen, um einer tieferen Bestimmung zu folgen?
d) Der beste Indikator auf der Suche nach dem eigenen Lebenstraum ist das eigene Herz. Was berührt Sie? Was gibt Ihnen das Gefühl, lebendig zu sein?
e) Lesen Sie den Impuls und besprechen Sie folgende Thesen:
Ein Lebenstraum sollte nicht aus Zahlen, sondern aus Werten bestehen. Nicht was ich erreicht habe, sondern was ich am Ende meines Lebens bin, ist entscheidend!
Impuls
Achte auf deine Gedanken!
Sie formen deine Worte.
Achte auf deine Worte!
Sie formen deine Handlungen!
Achte auf deine Handlungen!
Sie werden zu Gewohnheiten.
Achte auf deine Gewohnheiten!
Sie werden zu deinem Charakter.
Achte auf deinen Charakter!
Er wird zu deinem Schicksal.
Aus dem Talmud
Bausteine & Gestaltungsideen
Idealerweise hat jedes Hauskreismitglied in der Vorbereitung des Hauskreises den Erfahrungsbericht von Marcus B. Hausner (S. 60/61) gelesen. Einstieg: In alten Familienwappen wurden häufig Werte der Familie dargestellt. Adelsgeschlechter gaben Familienwerte an die jeweilige Generation weiter.
Sprechen Sie über folgende Fragen:
Gibt es unter Ihnen Menschen mit einem Familienmotto?
Was sollen Ihre Kinder aus Ihrer Kindheit behalten und an die nächste Generation weitergeben?
Sprechen Sie über die Bedeutung Ihres Namens! Drücken sich darin Werte, Charaktereigenschaften Ihrer Familie aus?
Was wäre Inhalt Ihres Familienwappens?
Geben Sie jedem Teilnehmer die Möglichkeit, den Fragenkatalog auf Seite 62 für sich durchzuarbeiten. Sprechen Sie über die Ergebnisse.
Christian Rommert ist des Leiter des Gemeindejugendwerks im BEFG.
Dieser Artikel ist einer von drei Einheiten, die sich im aktuellen Heft mit dem Thema "Träume" beschäftigen. Das Heft können Sie hier als Probeabo bestellen.
