das HauskreisMagazin

„Warum lässt sich eine 24 Stunden-Tankstelle eigentlich abschließen?“

Die richtige Frage zur rechten Zeit kann ein lebhaftes Gespräch in Gang bringen, die falsche verhindert es. Mirjam Puppe erklärt, wie Sie die unterschiedlichen Fragearten richtig einsetzen.

Manche Geschäfte haben immer geöffnet, jeden Tag, rund um die Uhr. Vor allem bei Tankstellen ist das oft so. Trotzdem – auch bei diesen Geschäften lässt sich die Tür absperren. Haben Sie sich schon mal gefragt, wozu? Natürlich gibt es auf diese Frage eine formal korrekte Antwort: Laut Gebäudeordnung muss … Und es gibt viele Antworten, die Sinn ergeben: „In den späten Nachtstunden wird zum Schutz der Angestellten die Tür verschlossen.“, „Wenn der Kassierer mal auf die Toilette muss, verschließt er die Tür.“, „Verstellt jemand die Uhr, hat der Tag 25 Stunden, dann muss eine Stunde gesperrt werden …“ Fragen wie diese provozieren viele Antworten. Genau um solche Fragen soll es hier gehen.

Wir treffen uns in unseren Hauskreisen und Kleingruppen zum Austausch, in der Regel nicht um formal korrekte Antworten zu erhalten – wir wollen wissen, wie wir Gottes Wort in unserem Alltag umsetzen können. Da ist die formal korrekte Antwort „Du sollst nicht …“ erstmal nur der Ausgangspunkt, denn unser Leben ist vielfältig und bunt. Wie sieht das dann praktisch aus? In unseren Gruppen geht es umWahrheit und um unser Leben.Wir brauchen Fragen, die uns helfen, dieWahrheit zu erkennen und sie dann auch anzuwenden.

Es geht um Lebensveränderung!


Fragen bringen Menschen miteinander ins Gespräch und fördern die Gemeinschaft. Nach und nach werden so tragfähige Beziehungen aufgebaut. Wer sich an einer Diskussion beteiligt, zeigt etwas von sich. Wenn es dann innerhalb derGruppe zu einemKonflikt kommt, dann haben die Mitglieder schon Erfahrung im diskutieren gemacht – ein eifriges Hin und Her wird nicht mehr als gefährlich erlebt.


Dabei geht es nicht darum, möglichst intelligente Fragen zu stellen, sondern sie als Hilfsmittel zu begreifen, um die Ziele der Gruppe zu erreichen. Wenn ich in der Vorbereitung nach möglichen Fragen suche, berücksichtige ich die Teilnehmer: „Wer kommt, welchen Stand haben die einzelnen, worum soll es gehen, wie viel Zeit haben wir?“ Ich versuche von Fragen wegzukommen, die eine einfache Antwort ermöglichen. Es geht ja nicht darum, denWissensstand der Leute zu testen, sondern darum, wie wir das Wort Gottes im Leben umsetzen können – es geht umLebensveränderung!

Keine Angst vor dem Schweigen!

Neue Gruppen brauchen anfänglich mehr Fragen,bis sich die Beziehungen vertieft haben, das bedeutet aber nicht, dass jede Gesprächspause eine neue Frage erforderlich macht. Manche Fragen regen zum Nachdenken an und nicht zu einer schnellen Antwort. Auch Jesus hat solche Fragen gestellt: „Warum nennt ihr es Gotteslästerung, wenn der, der vom Vater geheiligt und in die Welt gesandt wurde, von sich sagt: ‚Ich bin Gottes Sohn’?“ (Johannes 10, 36) Jesus war im Tempel und die Juden und Schriftgelehrten umringten ihn. Seine Frage war unbequem und erforderte Konsequenzen. Jesus fragt die Frau, die beim Ehebruch ertappt wurde: „Hat dich keiner verurteilt?“ Eine Frage,mit der er der Frau und auch uns hilft, über eine Situation nachzudenken und sie einzuordnen.


Wenn auf eine Frage nur Schweigen zu hören ist, dann heißt das nicht unbedingt, dass die Frage nicht gut war, sondern, dass die Leute Zeit brauchen, um zu überlegen oder noch zögern. Eventuell ist eine Zeit der Stille angebracht. Hilfreich ist auch die Unterteilung in Zweier- oder Dreier-Gruppen, dann kommt oft leichter ein Austausch in Gang. Die Reaktion auf eine Frage muss nicht immer direkt eine mündliche Äußerung sein. Oft lösen Fragen zunächst erst einmal in den Teilnehmern eine Reaktion ohne Worte aus. Neunzig Prozent der Kommunikation spielt sich auf der nonverbalen Ebene ab. Beimanchen Fragen stöhne ich auf oder lache, schaue skeptisch drein, komme sogleich mit meinem Oberkörper nach vorne – selbst, wenn ich nichts dazu sage, „äußere“ ich mich. Fragen sprechen mich an – ich bin beteiligt, gedanklich. Es kann hilfreich sein, auf eine nonverbale Äußerung einzugehen – vielleicht braucht jemand diese Zeit und den Raum, um sich dann doch auch verbal äußern zu können.

Eisbrecher

Manche Gruppen brauchen erst eine Frage, die das „Eis“ bricht. Es geht darum, von einer Selbstbeschreibung (ich mag am liebsten, ich bin … zur Selbstoffenbarung zu kommen (mein Leben mit Gott müsste sich ändern, wenn ich …). Meistens reicht eine Frage zum „Aufwärmen“. Sie kann spekulativ sein. Sie dient dazu, alle zum Nachdenken anzuregen. Es ist gut, wenn sie zum Thema hinführt. Wenn es um das Thema „Zeit“ geht, dann könnte die Einstiegsfrage lauten: „Wo bist du heute unter Zeitdruck geraten und warum?“ Das ist eine Frage, bei der jeder auch gleich noch etwas von seinem Tag „los wird“, alle anderen bekommen einen Einblick in den Alltag.

Noch vor dem Lesen des Bibeltextes sind alle am Thema dran und haben schon einen Bezug zu ihrem Leben hergestellt. Als Leiter des Abends haben Sie ein Ziel für das Treffen vor Augen und schon die Startfrage kann in  diese Richtung gehen. Typische Fragen lauten dann: „Was weiß ich?“, „Was fühle ich?“, „Was soll ich tun?“, „Bist du auch in Versuchung geraten?“, „Warum, warum nicht?“ Einen ganz anderen Charakter haben beschränkende Fragen. Sie dienen dazu, Fakten zu klären: „Welche Gebote werden hier übertreten?“ Man sollte vorsichtig damit umgehen, um nicht den Eindruck vermitteln, dass das Treffen eigentlich eine Schulstunde ist. Es ist hilfreich, wenn man den Zweck der Fragen voranschickt: „Um doch einmal die Geschichte zu vergegenwärtigen…“ Manchmal ist es sinnvoll, geschlossene Fragen zu stellen, auf die man nur mit ja oder nein antworten kann. Wenn Sie die Menschen zu einer klaren Entscheidung bringen möchten, dann geht es nur um „ja, ich will“ oder eben um „nein, mache ich nicht“ – das kann lebensverändernder sein als jede geäußerte Meinung.

Wer fragt, führt

Wenn die Gruppe sich an einer Stelle festdiskutiert hat oder gar vom Thema weggekommen ist, dann helfen lenkende Fragen wieder zurück. Sie können die vorangegangene Frage in anderen Worten nochmals formulieren oder die Teilnehmer direkt zum Thema zurück führen: Was hat das gerade angesprochene mit unserem Thema zu tun? Manchmal ergeben sich dadurch neue Perspektiven. An manchen Stellen kann es sinnvoll sein, wenn Sie als Leiter des Abends das Gesagte kurz zusammenfassen. Sie müssen keine langen Vorträge halten, um das Heft in der Hand zu halten. Wer fragt, hat automatisch die Führung übernommen. Die Gefahr besteht,dass alle irgendwann nur noch dem Leiter antworten. Das kann einen offenen Austausch verhindern. Als Leiter sollten Sie deshalb nicht dauernd ins Gespräch eingreifen und nach jeder Antwort eine neue Frage stellen, selbst wenn dadurch Pausen entstehen oder das Gespräch kurzzeitig abschweift.

Gute Fragen sind persönliche Fragen

Es gibt Fragen, die eine inhaltsbezogene Diskussion anregen: „Was lehrt die Bibel über die Zeit?“ Um aber konkrete Lebensveränderung zu fördern, brauche ich persönliche Fragen: „Wir glauben, dass Gott alle Zeit in seinen Händen hält – wie gehst du mit deiner Zeit um? Wie möchte Gott, dass du mit dieser Zeit umgehst? Was ist gut, was musst du ändern?“ Die Frage „Was wissen wir über den Glauben?“ mag in bestimmten Situationen ein paar interessante Erkenntnisse zu Tage bringen, wenn es aber tatsächlich um Lebensveränderung gehen soll, sollten Sie fragen: „Wo hast du gerade Schwierigkeiten? Wo hat sich dir Gott persönlich offenbart, woran hast du das erkannt?“ Die beste Möglichkeit, eine Gruppe dazu zu bringen, sich zu öffnen, ist das eigene Beispiel. Wenn Sie den Eindruck haben, dass in Ihrem Kreis zu wenig Offenheit herrscht, die Diskussionen oberflächlich und die
Beziehungen nicht tragfähig sind, kann das mehrere Gründe haben: Die Gruppe trifft sich noch nicht lange, dann ist oberflächliche Kommunikation normal. Eisbrecher können der Gruppe dann helfen, sich zu öffnen. Oft kämpfen aber Gruppen, die sich schon länger treffen, vergeblich darum, in die Tiefe durch zu dringen. Das kann am zögerlichen Leitungsstil liegen oder aber auch daran, dass der Leiter zu schnell in die Tiefe gehen möchte.

Wichtig ist dann, das als Leiter konkret anzusprechen, sich damit verletzlich zu zeigen, ein Beispiel zu geben und Offenheit vor zu leben. Das Tempo des Leiters bestimmt das Tempo der Gruppe. Scheuen Sie sich nicht, Ihre Leute herauszufordern. Fragen Sie nach Gefühlen, nicht nur nach Fakten und Meinungen. Grundsätzlich gilt: Der Leiter muss nicht alle Antworten haben! In der Vorbereitung zu einem Hauskreistreffen stehe ich manchmal wie vor einer verschlossenen Tür. Ich bringe dann die Fragen in die Gruppe, die sich mir selbst gestellt haben. Das sind oft sehr persönliche Fragen und im Austausch merke ich, dass sich die Schiebetür unmerklich geöffnet hat. Gott ist ein Gott, der 24 Stunden geöffnet hat.