das HauskreisMagazin

Thomas Härry, Bibelschullehrer, Pastor und Buchautor, über Hauskreise in Krisenzeiten.

Welche Bedeutung haben Hauskreise für dich?


Das ist eine Frage, die ich mir immer wieder neu stelle. Eine zeitlang war ich davon überzeugt, dass dort in jedem Fall Freundschaften entstehen sollen. Ich würde das immer noch so sagen, es aber vielleicht auch ein wenig relativieren. Wenn das nämlich der oberste Anspruch ist, sind viele enttäuscht, weil es nicht immer funktioniert. Vielleicht sollte man eher sagen: Es sind die Freunde für die Notzeiten. In Sprüche 17,17 steht: „Ein Freund steht allezeit zu dir, auch in Notzeiten hilft er dir wie ein Bruder.“ Meine Schwestern und Brüder aus dem Hauskreis sind die Menschen, die wissen, wenn es mir schlecht geht, wenn es in meiner Familie nicht so gut läuft, wenn ich überfordert bin, wenn ich krank bin. Das müssen keine lebenslangen Seelenfreundschaften sein, aber man trägt und erträgt einander.

Wie erreicht man eine Atmosphäre, in der man über die Nöte sprechen kann?

Es ist wichtig, dass man sich über gemeinsame Werte und Ziele verständigt. Man soll es nicht dem Zufall überlassen. Ich bin wirklich ein Freund von Gruppenvereinbarungen - auch in Teams und in einer Kleingruppe. Darin könnte vorkommen: „Wir wollen ehrlich sein und über das sprechen, was uns bewegt.“ Außerdem ist es wichtig, dass jemand damit anfängt, sich verletzlich zu machen. Dann gibt es Menschen, die sagen: „Das will ich nicht!“ Sie werden sich vielleicht eine andere Gruppe suchen. Doch es gibt auch welche, die sich sagen: „Wenn der das kann und wagt, dann wage ich es auch.“ Es ist wichtig, dass man gemeinsam eine bewusste Entscheidung für diese Offenheit trifft.

Aber es gibt auch Kreise, in denen der Austausch über persönliche Probleme gar nicht vorkommt. Sie konzentrieren sich auf den Austausch über die Bibel.

Wenn man das so vereinbart hat, warum nicht? Für manche Menschen ist so ein Kreis genau das Richtige, um auf Gottes Reden zu hören. Die Frage ist: „Gibt es in meinem Leben dennoch transparente Beziehungen? Gibt es Menschen, die in meine Situation hinein sprechen können und dürfen?“ Ich hab früher gedacht, dass eine Kleingruppe alles abdecken muss. Aber ich komme davon weg. Wenn es andere Orte gibt, wo ich mich anvertrauen kann, ist das in Ordnung. Die Bibelgruppe darf nur nicht zu einem falschen Alibi werden. Man glaubt, Gemeinschaft zu haben, tauscht aber vor allem Wissen aus und geht damit echter Gemeinschaft aus dem Weg.

Du hattest selbst eine tiefe Lebenskrise mit Panikattacken und Schlaflosigkeit. Wie hast du in dieser Phase deinen Hauskreis erlebt?


Wir waren damals Teil einer Lebensgemeinschaft. Das war wie ein Hauskreis für uns. Ich muss allerdings gestehen, dass ich schwer artikulieren konnte, was mit mir passierte. Das, was mit mir geschah, war für mich so neu. Ich habe eigentlich erst später, als ich schon auf dem guten Weg zur Heilung war, darüber sprechen können. Im Nachhinein wünschte ich mir, ich hätte viel früher über diese Dinge sprechen können. Aber sie waren mir selber so fremd. Es passierte etwas und ich wusste nicht, wie ich das einordnen soll, wie viel das überhaupt mit mir zu tun hat. Ich habe lange die Gründe auch in den Umständen gesucht. In meiner Arbeitsstelle. Ich war ständig unterwegs, bin viel gereist. Es ging relativ lang, bis ich mir eingestand, dass das viel mit mir zu tun hat. Und das erklärt vielleicht, warum ich nicht darüber sprechen konnte, weil ich die Gründe woanders gesucht habe, als bei mir selbst. Heute ist es anders. Die Freunde in meiner Kleingruppe kennen meine aktuellen Kämpfe und Schwierigkeiten. Ich musste es lernen, sie zu teilen.

Die Fragen stellte Christof Klenk.


Im HauskreisMagazin Nr. 6 (erscheint Ende Februar 2008) finden Sie zehn Einheiten über Menschen in der Krise:
Jakob – die Vergangenheit besiegen
(1. Mose 32,23-33)
Josef – unschuldig festgesetzt
(1. Mose 39,19-23; 40,1-23; 41,1.14.37-40)
Elia – am Boden zerstört
(1.Könige 19,1-18)
Daniel – von Neidern gemobbt
(Daniel 2,48; 5,29;6,1-29)
Johannes der Täufer – wenn der Zweifel nagt
(Matthäus 11,1-11)
Petrus – Rückfall in die Feigheit
(Galater 2,11-14)
Paulus – eine neue Mitte finden
(Apostelgeschichte 9,1-19, Philipper 3,1-11)
Johannes Markus – gescheitert im Reich Gottes
(Apostelgeschichte 13,4+5; 15,36-41;2. Timotheus 4,11)
Timotheus – von Selbstzweifeln geplagt
(1. Timotheus 1,18-19; 4,12-16; 2. Timotheus 1,6-8)
Epaphroditus – todkrank im Dienst für Gott
(Philipper 2,25-30)

 

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